Befreiung des Lagers

Todesmarsch und Befreiung

Am Nachmittag des 13. April 1945 wurde das Frauen-KZ-Außenlager Penig aufgelöst. Die SS trieb alle Frauen, die noch gehen konnten, im Lager zusammen und anschließend zu Fuß in Richtung Chemnitz. Etwa 70 stark geschwächte und kranke Frauen wurden ohne Verpflegung in einer Baracke zurückgelassen.

Die teilweise bereits in zivil gekleideten Wachmannschaften und Aufseherinnen setzten sich auf diesem Fußmarsch nach und nach ab, um einer strafrechtlichen Verfolgung durch die Alliierten zu entgehen. Dadurch konnten etliche Frauen, oftmals in Gruppen, vor den übrigen Bewacherinnen und Bewachern fliehen.

Eine Gruppe von 72 Frauen wurde noch von deutschen Polizeiverbänden aufgegriffen und in ein Lager in Mittweida verschleppt. Sie konnten schließlich durch US-amerikanische Truppen befreit werden.

Der Leidensweg anderer Frauen dauerte jedoch an. Mindestens 34 Frauen erreichten erst Ende April 1945 das Ghetto Theresienstadt, 60 km nördlich von Prag, das am 5. Mai 1945 durch die SS an das Internationale Rote Kreuz übergeben wurde.

Eine weitere Gruppe wurde 50 km westlich von Pilsen im Raum Bor u Tachova gerettet.

Die genauen (Heim-)Wege und Schicksale vieler Frauen sind jedoch noch weitestgehend unbekannt.

Die im Lager zurückgelassenen Frauen wurden am 15. April 1945 durch Soldaten der 6. Panzerdivision der 3. US-Armee entdeckt und durch das dazugehörige 76. Sanitätsbataillon versorgt. Am 17. April wurden die Frauen in das Luftwaffenhospital des Flugplatzes Altenburg gebracht, wo auch deutsche Kriegsgefangene zur Versorgung der einstigen Zwangsarbeiterinnen herangezogen wurden. Nach Wochen und teils Monaten medizinischer Behandlungen konnten sie schließlich in ihre Heimat zurückkehren.

Welches Bild sich den US-Soldaten bot, schildert Dorothy Pecora, damalige Krankenschwester des United States Army Nurse Corps, wie folgt:

Eines Morgens kamen zwei Offiziere zu unserer Einheit, wir kannten sie nicht. Sie sagten, sie bräuchten zwei Krankenschwestern, die sie begleiten sollten, weil sie einige kranke Menschen, die Hilfe benötigten, etwas entfernt entdeckt hätten. Also nahm ich eine andere Krankenschwester, und wir setzten uns in den Jeep. Plötzlich sah ich Stacheldraht in der schönsten vorstellbaren Farmgegend. Wir fuhren in das Gelände und öffneten die Türen der Baracken. Was ich sah, werde ich nie vergessen können. Ein wunderschönes junges Mädchen saß da und hatte starke Schmerzen. Sie hatte ihre Beine angewinkelt und wippte ständig vor und zurück. Sie hatte keine Haare mehr und einen Lumpen um ihren Kopf gewickelt. Die Leute von der Armee, sie wussten über all das Bescheid, aber niemand hatte uns oder mir etwas über diese entsetzlichen Taten gesagt. Einer der Ärzte fürchtete, dass sie alle Tuberkulose hatten.

Von der Rettung dieser Frauen existieren zahlreiche Foto- und Filmaufnahmen. Dabei dienten die Angehörigen der Signal Photographic Companies in insgesamt elf Spezialeinheiten des U.S. Army Signal Corps und hielten den Krieg in Foto und Film fest. Seit Anfang August 1944 begleiteten sie in kleinen Einheiten die 3. Armee General Pattons durch Frankreich, Belgien und Deutschland. Neben militärischen Aktivitäten fotografierten sie vor allem Bilder von den Grauen des Krieges sowie von Verbrechen des Nationalsozialismus. Die Fotografien befinden sich heute in den National Archives and Records Administration (NARA), 700 Pennsylvania Avenue, NW, Washington, DC 20408-0001.

Zur traurigen Berühmtheit wurde das Außenkommando Penig als innerhalb des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher des Zweiten Weltkriegs am 29. November 1945 im Nürnberger Justizpalast der einstündige Film mit dem Titel „Nazi Concentration Camps“ eingespielt wurde. Man verdunkelte den Raum und richtete Spotlights auf die Anklagebank, um die Emotionen der 24 Angeklagten festhalten zu können. Dann folgte eine Stunde mit Aufnahmen aus zwölf als „Concentration Camps“ bezeichneten Orten nationalsozialistischer Verbrechen. Als zweites sogenanntes „Concentration Camp“ ist etwa ab Minute fünf die Rettung der Frauen des Außenlagers Penig zu sehen, wie sich US-amerikanische Ärzte, Soldaten und Sanitäterinnen um die kranken und völlig entkräfteten Frauen kümmern und sie in ein Militärlazarett nahe Altenburg bringen, wo dann auch deutsche Kriegsgefangene bei der Versorgung der Frauen mithelfen mussten.

Der Film ist hier abrufbar: https://www.youtube.com/watch?v=NcSsH3ZTTeg

Bildlich festgehalten wurde die Rettung, die die Frauen sichtlich als Befreiung empfanden, durch zwei Fotografen am 17. April 1945.

Samuel Gilbert, geb. 1921, war ab April 1943 im Militärdienst als Technician 5th Class in der 166th Signal Photographic Company in Frankreich, Luxemburg, Belgien und Deutschland. Er fotografierte u. a. den Einmarsch amerikanischer Truppen in Zeitz, befreite Häftlinge in Freising sowie das befreite Außenlager Gusen des KZ Mauthausen. Eine aus acht Porträtaufnahmen bestehende Serie nahm er im befreiten Frauen-KZ-Außenlager Penig auf. Eine weitere aus fünf Bildern bestehende Serie zeigt mehrheitlich die medizinische Versorgung der Frauen durch Sanitätspersonal der US-Armee.

David E. Scherman, geb. 1916 in New York City, arbeitete ab 1936 als Fotokorrespondent für das Magazin "LIFE", erhielt eine Akkreditierung als Kriegsberichterstatter und arbeitete zeitweilig mit der berühmten Fotografin Elizabeth „Lee“ Miller bei der Begleitung der US-Truppen in Europa zusammen. Eine Fotografie Schermans von Miller in Adolf Hitlers Badewanne in dessen Münchner Wohnung, aufgenommen 1945 kurz nach Hitlers Selbstmord, ist eine der bekanntesten Aufnahmen aus dieser Partnerschaft. Er fotografierte u. a. das befreite Konzentrationslager Dachau. Ab 1947 war er Publizist und Fernsehproduzent, anschließend bis 1972 Herausgeber des "LIFE Magazine" und starb am 5.Mai 1997 in Stony Point, New York, an Krebs.

David E. Scherman soll sich während seiner Aufnahmen in Penig in eine der Überlebenden, die Budapester Jüdin Katalin Boros, verliebt haben. Sie erhielt von ihm einen Satz der Fotoserie, den sie später an ihre Freundin Rózsa Deutsch, ebenfalls eine Überlebende des Lagers Penig, weitergab. Diese Fotos erhielt die Gedenkstätte Buchenwald 2001 von Rózsa Deutsch im Rahmen einer Ausstellungsvorbereitung. Ein Teil der Bilder sowie drei zusätzliche Aufnahmen aus dieser Serie befinden sich in den Beständen der Bildagentur Time & Life Pictures.

Hier der Link zum Fotoarchiv der Gedenkstätte des KZ Buchenwald: http://fotoarchiv.buchenwald.de/results?strategy=categories&provenance=-1&place=279&dates=-1

Die Fotografien von David E. Scherman sind hier zu sehen: https://artsandculture.google.com/search?q=pening

 

Wie erlebten die später befreiten Frauen den letzten Tag des Lagers, den Todesmarsch oder die Rettung im Lager?

Helen Sternam 24.Juni 1945: Ungefähr um den 13. April dieses Jahres, als sich die russischen Truppen [es waren amerikanische Truppen, Anm. d. Verf.] schon näherten, hat man uns zu Fuß entsandt. Bevor wir uns in Bewegung setzten, mussten wir noch die Leichen vergraben, dann die Grabstätten glattmachen und mit Stroh bedecken. Ich erinnere mich daran, dass ca. 40 Kranke im Krankenrevier geblieben sind, ich weiß aber nicht, was mit diesen geschehen ist.

Auch beim Marschieren haben wir sehr viel gelitten. Man hat uns ständig angetrieben, nachdem die amerikanischen Truppen sich näherten und uns per Flugzeug folgten. Bei diesem Anblick haben die SS-Soldaten und -Frauen versucht, in unseren Reihen Flucht zu suchen, die Soldaten haben ihre Waffen unter ihren Mänteln versteckt. Wir haben ca. 25 km Weg zurückgelegt, als 70 Frauen zurückgeblieben sind, nachdem sie vor Schwäche nicht mehr fähig waren, weiter zu marschieren. Wir sind an eine Wiese gelangt, wo wir uns niedergelegt haben. Am anderen Tag haben wir in Privathäusern und Scheunen Unterkunft erhalten. Schon am selben Tag abends ist ein deutscher Polizist erschienen, der uns nach Chemnitz in ein Lager schleppen wollte. Als er sah, dass wir so sehr geschwächt waren, und viele vor Hunger und Ermüdung umgefallen sind, hat er uns allein im Walde gelassen. Wir hielten uns ca. 10 Tage lang in Häusern, Wäldern, Scheunen und unter freiem Himmel verborgen, bis wir erfuhren, dass dort in der Nähe, in einem Dorf namensBarna [möglicherweise der Chemnitzer Stadtteil Borna, Anm. d. Verf.] ein Lager ist. Wir gingen zu Fuß dorthin, wo man uns in Baracken untergebracht hat. Es waren meistens arische Häftlinge dort.

Nach ca. 8 Tagen Aufenthalt erschien in einer Nacht ein deutscher Polizist, und wir mussten mit ihm zu Fuß etwa 4-5 km weitergehen. So sind wir wieder nach Chemnitz zurückgekommen. Wir haben eine Nacht dort verbracht, und man wollte uns wieder weiterbringen. Es ist uns aber gelungen, aus dem Lager zu entfliehen, vielleicht etwa 20 von uns. Wir gingen zu Fuß etwa 30 km, und wir sind bis nach Hernheida [Herrenhaide, Anm. d. Verf.] gekommen, wo schon amerikanische Truppen waren, die uns übernommen haben, es ist am 30. April geschehen.

Die amerikanischen Truppen haben uns nach Cossen gebracht, wo uns russisches Militär übernommen hat. Mit Hilfe derer sind wir bis nach Pest gekommen, über Pilsen, Prag und Pressburg. Ich habe noch keine Pläne für die Zukunft, alles hängt davon ab, wen meiner Angehörigen ich nach meiner Heimkehr wiederfinde.

Zsuzsa Heumannam 6.Juli 1945: Wir waren dort bis zum 13. April. Am 11. sind noch 150 Polen gekommen, dann am 13. hat man die Jüdinnen zu Fuß weggehen lassen.

In der ersten Nacht sind 500 Frauen in Chemnitz weggeblieben, Nacht für Nacht sind einzelne Gruppen weggeblieben. Nach ca. einer Woche Marschieren hat man uns in Waggons gelegt. In einem Waggon waren 90 Menschen. Neben mir ist eine meiner ehemaligen Mitschülerinnen, Zsuzsa Fischer, gestorben. Eine Mutter, Ilona Schenk hat geboren bzw. sie hat einen Abort gehabt. Das Kind ist freilich gestorben. Es hat mit uns anderthalb Tage lang im Blut gelegen, bis eine SS-Frau gekommen ist, sie hat die kleine Kinderleiche genommen und aus dem Waggon geworfen. Auch die anderen Toten hat man so hinausgeworfen.

Auch ein Kalb war mit uns im Waggon, es ist unterwegs wild geworden. Die Hauptursache dafür war, dass es eine Lieblingsbeschäftigung der SS-Leute war, dass sie ab und zu 5-6 Stück Kartoffeln in den Waggon geworfen haben, wir alle sind natürlich aufgesprungen und ein großes Getümmel ist entstanden, weil wir wenigstens ein Stück erhaschen wollten.

Ein schwäbischer SS-Mann hat das Kalb gehütet. Er war kein schlimmer Mann, er hat manchmal das Gras, was man für das Kalb brachte, uns gegeben - wir hatten keine anderen Lebensmittel. An der einer kleinen Haltestelle hat ein Tscheche sich unser so sehr erbarmt, dass er uns ein Fass Kartoffeln und ein Fass Hirsebrei gebracht hat und uns dieses gegeben hat. So sind wir bis Tachau gefahren. Dort sind wir auch nicht stehengeblieben, wir haben uns weiter auf den Weg zu Fuß gemacht, 30-35 km.

Nachts sind wir zu zehnt geflohen. Wir haben uns in einem Wald versteckt, aber am nächsten Tag hat uns ein schwäbischer Soldat festgenommen. Wir haben ihn sehr angefleht, uns laufen lassen, so hat er Mitleid mit uns gehabt und hat uns losgelassen. Tags darauf haben wir als christliche ungarische Flüchtlinge um Eintritt in ein Krankenhaus gebeten. Dort ging es uns gut, wir arbeiteten in der Küche. Eine Woche vorher hat man in der Stadt drei ungarische Juden festgenommen. Man hat sie ihr Grab schaufeln lassen und hat sie dann totgeschossen. Wir haben uns entsetzlich gefürchtet, dass man darauf kommt, dass auch wir Juden sind. Den 5. Mai vormittags um 10:45 Uhr kamen die Amerikaner herein und haben uns befreit.

Margit Fleischneram 9.Juli 1945: Am 13.April hat die SS gehört, dass die Amerikaner kommen. In 5 Minuten mussten wir alle packen. Sie gingen auf einen Transport, aber wir 80 Kranken wurden zurückgelassen. Ich lag mit Ischias-Schmerzen. Sie sagten, dass wir mit einem Auto abgeholt werden. Wir wussten bereits, dass die Amerikaner kommen und versteckten uns. Glücklicherweise kam das Auto nicht, aber die Amerikaner kamen am 15.April, Sonntagnachmittag an. Sie entdeckten unser Lager und brachten uns haufenweise Konserven und Schokolade. Zwei Tage später kamen Rote Kreuz-Autos und Ärzte zu uns. Es waren alle Amerikaner, darunter auch viele Juden mit ungarischer Abstammung. Wir kamen in ein Sanatorium nach Altenburg zum Aufpäppeln. Hier habe ich in 3 Monaten 20 Pfund zugenommen.

Magda Szemeream 2.Juli 1945: Aus Penig wurden wir vor der Ankunft der amerikanischen Truppen weggeführt. Wir gingen Tag und Nacht vor den Amerikanern. Ich konnte nicht mehr weiter laufen, mir wurde schlecht auf der Straße, ich wurde einfach an den Straßenrand geworfen und dort liegengelassen. Als ich zu mir kam, war es völlig dunkel und ich blieb hilflos allein. Eine gutherzige österreichische Familie aus Chemnitz fand mich, haben mich zu sich genommen und mir zu essen gegeben. Dem deutschen Soldaten wurde gesagt, dass ich in einer Stunde tot sein werde. Es ist also nicht mehr schade. Eine Weile haben sie mich behalten. Dann wurden ich dem französischen Lager übergeben, ich habe hier gebadet, mich angezogen und die feinsten Dinge zum Essen bekommen, aber nach dem langen Fasten konnte mein Magen das Essen nicht verarbeiten und ich bin sehr krank geworden. Zwischen Leben und Tod wurde ich in ein Krankenhaus nach Zwickau gebracht. Die Ärzte dachten ich werde sterben, aber der liebe Gott war bei mir und half. Als ich stark genug wurde, fuhr ich mit einem tschechischen Transport Richtung Heimat. Mit dem Bus nach Karlsbad, dann mit dem Zug über Bratislava nach Prag. Auf dem Weg haben die tschechischen Leute mich gut gepflegt, und ich kann mich nur mit Dankbarkeit an sie erinnern.

Edith Freundlicham 18.Juli 1945: Am 13. April sind die SS-Leute geflüchtet und haben viele Frauen mitgenommen. Ich blieb dort, weil ich am Tag zuvor eine Thrombose im Bein bekommen habe. Zwei Tage später wurden wir von den Amerikanern befreit. Wir waren 70 kranke Personen und wurden in das Krankenhaus nach Altenburg gebracht. George Friedmann, ein amerikanischer jüdischer Leutnant, war der Kommandant des Krankenhauses, der für uns und für unsere Heilung übermenschliche Opfer brachte.

Klára Rosenbergam 12.Juli 1945: Als die Amerikaner sich näherten, brachen wir 600 mit SS-Eskorte ohne Ziel auf. Wir gingen von 15:30 Uhr bis nachts 3 Uhr. Man konnte sich keine Minute lang setzen. Ich war mit meiner Schwester und wir konnten kaum laufen. Um 3 Uhr Nacht beschlossen wir zu fliehen. Wir waren müde, setzten uns an die Straße und morgens, als es hell geworden ist, suchten wir nach einem ausgebombten Haus. Wir lebten 3 Wochen lang so; aus einem ausbombardierten Haus in das andere wandernd. Wir hatten Angst, jemand könnte uns sehen. Wir aßen rohe Kartoffeln, weil es keine Kochmöglichkeit gab. Natürlich waren wir in einem sehr schlechten Zustand. Schließlich flüchteten wir durch die Front zu den Amerikanern. Wir haben 5 Wochen in Zwickau gelebt, dann in einem amerikanisch-jüdischen Lager in Waldenburg. Hier wurden wir mit allem nur Erdenklichen gut versorgt, und voll ausgestattet.

Berta Hegyiam 9.Juli 1945: … am 13. April gingen wir mit den SS-Soldaten und Aufseherinnen Richtung einem ungewissen Ziel. In den ersten Tagen sind wir 20-30 km pro Tag gegangen, am dritten Tag wurden wir einwaggoniert und fuhren 3 Tage im Güterwaggon. Zu Essen bekamen wir in dieser Zeit überhaupt nichts. Wir hatten seit Tagen kein Brot mehr gesehen, wir haben nichts gegessen. Einmal bekamen wir ein paar gekochte Kartoffeln. Wir fuhren im Güterwaggon bis nach Dachau. Von dort ging es zurück zu einem angeblichen Lager, das aber nicht gefunden wurde. Wir haben im Wald geschlafen und sind dann zu dritt geflüchtet.

Wir gingen von Dorf zu Dorf, wir bekamen Essen in den Häusern. Obwohl nicht willkommen, haben wir einige Nächte in Ställen oder auf Dachböden verbracht. In den meisten Fällen waren wir jedoch in einem Heuhaufen im Freien und schliefen in Kieferwäldern. Von SS-Soldaten, die andere Transporte begleiteten, wurden wir zweimal gefangengenommen, konnten ihnen aber entkommen. Nach einer Woche kamen wir zu einem Bauern, der uns versteckte und uns zu essen gab und wo wir einige Zeit auf dem Dachboden verbrachten, bis am 4. Mai die Amerikaner in diesem Dorf namens Gottschau kamen und wir befreit wurden. Wir blieben noch einige Zeit in diesem Bauernhaus, eine meiner Kameradinnen kam dann ins Krankenhaus und ich mit meiner anderen Kameradin nach Hause.

Rózsa Mondschein am 3.August 1945: Am 13. April 1945 wurden wir zu Fuß aus dem Lager losgeschickt. Am ersten Tag sind wir 24 Stunden ohne Pause marschiert. Bei Leipzig bin ich mit 24 Kameradinnen zusammen geflüchtet. Wir waren schrecklich müde und haben uns auf einem Feld hingelegt. Es stellte sich heraus, dass wir fast in der Mitte der Front waren. Ein deutscher Soldat brachte uns von dort in einen leeren Straßenbahnwagen. Hier haben wir die Nacht verbracht und sind dann weitergegangen. Wir zogen unsere Kleidung so um, dass der rote Streifen auf dem Rücken und die Zahlen nicht verraten konnten, dass wir Häftlinge waren. Als ungarische Arbeiter zogen wir weiter. In Chemnitz-Borna haben wir zwei Wochen für wenig Lebensmittel bei ein paar Familien gearbeitet. Dann ging es weiter. Am 5. Mai erreichten wir die tschechische Grenze. Wir waren nunmehr zu elft. Einige von uns wurden unterwegs erschossen, weil eine Kameradin verraten hatte, dass wir Juden sind. Wir sind geflüchtet, aber nach uns wurde geschossen. Ein 13jähriges Mädchen wurde neben mir erschossen.