Medienberichte über uns
16. Oktober 2024: FP Freie Presse, von Julia Czaja
27. Januar 2024: FP Freie Presse, von Matthias Zwarg
Steine des Anstoßes
Mit dem "Werk der Woche" stellte die "Freie Presse" Kunst im öffentlichen Raum vor.
Heute: Gedenkstein am ehemaligen Außenlager des KZ Buchenwald in Penig (1967).
31.10.2023: MDR Sachsen
Penig: Erinnerung an ein KZ, über das kein Gras wachsen soll
Auschwitz, Dachau, Buchenwald – es sind oft diese Namen, die bei der Beschäftigung mit Nazi-Konzentrationslagern vorkommen. Doch auch andernorts, an der heutigen Grenze zwischen Sachsen und Thüringen gelegen, wurden Arbeits- und Vernichtungslager errichtet. In Penig hat ein Verein die Geschichte des KZ-Außenlagers erforscht. Mit seiner Arbeit will der Verein die Schicksale von rund 700 Frauen sichtbar machen, die hier zur Zwangsarbeit gezwungen wurden.
Ein Gedenkstein am Rand des Reitplatzes von Langenleuba-Oberhain bei Penig erinnert an das KZ-Außenlager, das sich hier vor 78 Jahren befunden hat. Die schlichte Inschrift lautet: "Die Opfer mahnen - Außenstelle des KZ Buchenwald 1944 - 1945". Der Gedenkort ist gepflegt, erzählt aber nichts über die Geschichte der Opfer.
Verein will Opfern ihr Gesicht zurückgeben
Der Verein "Gesicht zeigen - Netzwerk für demokratisches Handeln" kümmert sich seit zehn Jahren genau darum. Mehr als 700 jüdische Frauen aus Ungarn waren hier eingepfercht und mussten 1945 im vier Kilometer entfernten "Max-Gehrt-Werk" Flugzeugkleinteile für die Junkers-Werke produzieren.
Nach Recherchen des Vereins überlebten 43 Mädchen und Frauen die unmenschliche Behandlung nicht. Vierzehn von ihnen, die im Lager verscharrt wurden, erhielten später eine Ruhestätte auf dem nahegelegenen Friedhof von Langenleuba-Oberhain. Dort haben die Vereinsmitglieder eine Gedenktafel mit den Namen der Ermordeten Frauen aufgestellt. Zehn konnten sie recherchieren.
Die Frauen sollten nicht namenlos bleiben, sagt Jan Sobe, einer der Vereinsgründer. "Ringo Gründel betreibt diese detaillierte Forschungsarbeit hauptsächlich. Unser Anliegen ist es dabei auch, gemäß unserer Namensgebung 'Gesicht zeigen', diesen Frauen ihr Gesicht wiederzugeben."
Jedes Schicksal erzählt von einem ganzen Leben
Man wolle mit der Forschungsarbeit zeigen, dass sie nicht nur Jüdinnen und Zwangsarbeiterinnen waren. "Wir wollen zeigen, dass diese Frauen ein Leben vor dem zweiten Weltkrieg hatten und die meisten von ihnen auch ein Leben danach. Sie hatten Eltern, Ehepartner, Kinder, sie haben Berufe erlernt."
Bisher sei es gelungen, 630 der 700 Frauen in Archiven, Stammbäumen und anderen Quellen ausfindig zu machen. Von einigen sind ganze Biografien bekannt, die der Verein auf seiner Webseite öffentlich zugänglich macht. Sobe will damit eine andere Art der Erinnerung möglich machen. "Wir haben den Eindruck, wenn es um den Holocaust geht, wird oftmals eine homogene Opfergruppe gezeigt." Man müsse aufpassen, die nationalsozialistische Ideologie nicht zu reproduzieren, indem man immer nur Bilder von kahlrasierten, abgemagerten Häftlingen in Häftlingskleidung zeige. "Da fällt es schwer, Emphatie aufzubauen. Daher ist es uns wichtig, sie als ganz normale Menschen zu zeigen."
Erinnerungsarbeit soll fortgeführt werden
"Wir wollen mit unserer Arbeit weiterhin ins öffentliche Bewusstsein rücken, dass es dieses Lager überhaupt gegeben hat", sagt Sobe. Damit zeige man auch, dass sich das nationalsozialistische Lagersystem nicht auf große Lager wie Buchenwald, Dachau oder Auschwitz beschränkt habe.
Nach der bereits veröffentlichten Broschüre zu den Schicksalen der Frauen und Informationstafeln am Standort des Lagers und der "Max-Gehrt-Werke" sind noch weitere Projekte geplant. "Wir hoffen, dass sich vielleicht neue Mitstreiter finden. Wir wollen eine Wanderausstellung entwickeln, die an öffentlichen Plätzen der Region gezeigt werden kann." Gleichzeitig könne er sich vorstellen, noch mehr Aufklärungs- und Bildungsarbeit zum Thema Rassismus anzubieten. "Das können dann Projekttage an Schulen oder Workshops sein." Auch über eine Neuauflage der mittlerweile vergriffenen Broschüre über das Lager bei Penig denke man nach.
11. April 2022: AJN Australian Jewish News, von Sigmund Stern
17. Februar 2022: FP Freie Presse, von Alexander Christoph
09. August 2021: FP Freie Presse, von Mario Hösel
02. September 2020: FP Freie Presse, von Uwe Lemke
20.11.2017: FP Freie Presse, von Rita Türpe
November 2017: FP Freie Presse, von Joseph Wenzel
24. August 2016: FP Freie Presse, von Alexander Christoph
11. November 2015: FP Freie Presse, von Robin Seidler
10. November 2015: FP Freie Presse, von Robin Seidler
09. November 2015: LVZ Leipziger Volkszeitung, von Nathalie Helene Rippich
Sächsischer Förderpreis für Demokratie – „Schweigen ist dulden“
Die Mitglieder der Bürgerinitiative „Gesicht zeigen“ – Netzwerk für demokratisches Handeln trotzen Anfeindungen und Drohungen und setzen sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit ein. Nun wurden sie im Rahmen der Verleihung des Sächsischen Förderpreises für Demokratie ausgezeichnet.
Penig. Seit 2012 beschäftigt sich die Bürgerinitiative „Gesicht zeigen“ Netzwerk für demokratisches Handeln in Penig und Lunzenau (Mittelsachsen) mit der Frage, wie insbesondere bei Schülern aber auch den Bewohnern der Region das Demokratiebewusstsein geschärft werden kann. Am Montagabend wurden sie in Dresden für ihre Arbeit mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie ausgezeichnet. Die Jury begründete die Ehrung des Netzwerks mit dem unermüdlichen Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit und für mehr Toleranz. „Es stemmt über Jahre ein beeindruckendes inhaltliches Programm, das bisher vor allem aus privaten Aufwendungen der Mitglieder finanziert wird“, lobte die Jury die Initiative.
Auslöser für das Engagement war ein Vorfall an der Schule der Tochter von Janine Bürger, ein Mitglied der Gruppe. Im Januar 2012 wurde dort ein alternativer Jugendlicher von drei Neonazis angegriffen. Er verlor einen Zahn, erlitt einen Nasenbruch und Prellungen. Eingegriffen habe niemand. Nicht einmal die Polizei wurde gerufen, so Bürger. „Da fragt man sich schon, wie sowas sein kann. Das geht gar nicht.“
Dialoge und Diskussionen – Networking in Penig und Lunzenau
Nach dem Übergriff gab es Gespräche mit Eltern und der Schule. Nach und nach gelang es immer mehr Menschen an einen Tisch zu bekommen. Auch Ringo Gründel (LINKE), der im Stadtrat von Penig sitzt. Ein Jahr lang gab es regelmäßige Diskussionsrunden, an denen auch der Geschichtslehrer Jan Sobe teilgenommen hat. Er engagiert sich schon länger gegen Rechtsextremismus.
Das erste konkrete Projekt stand dann 2014 eine Fortbildungsveranstaltung für Übungsleiter. Es ging darum, wie man mit Rechtsextremen im Verein umgehen kann und wie man sie überhaupt erkennt. „Das Klischeebild eines Nazis gibt es heute kaum noch. Die haben sich längst angepasst“, erklärt Sobe. „Außerdem bedienen sie sich mittlerweile zunehmend linker Rhetorik, sie zitieren Brecht, Ghandi und sogar Martin Luther King, reißen Zitate aus dem Kontext und benutzen sie für ihre Zwecke.“
Aus der Vergangenheit lernen
Aufklärung, Sensibilisierung für das Thema und vor allem ein Blick auf die Geschichte, seien unablässig. „Denn Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sie ist ein hohes Gut“, erklärt der Peniger Stadtrat Gründel. „Damals haben zu viele Menschen geschwiegen als Unrecht geschehen ist. Früher waren es die Juden und heute der Islam?“. Die Geschichte dürfe sich nicht wiederholen. Auch deshalb legt die Initiative ein großes Augenmerk auf die Aufarbeitung der Vergangenheit.
Ein weiteres Projekt der Initiative beschäftigt sich deshalb intensiv mit dem Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald in Penig. Die Schüler der neunten Klasse des Freien Gymnasiums sind den Weg der Zwangsarbeiterinnen nachgelaufen, haben an verschiedenen Stationen Aufgaben bearbeitet und am Ende eine Trauerfeier für die Verstorbenen veranstaltet. Die Teilnahme war freiwillig, aber alle Schüler sind geblieben. Geschichte dürfe nicht nur in Büchern stattfinden, um aus ihr zu lernen, müsste sie erlebbar werden, so Sobe.
Ein großes Ziel sei eine dauerhafte Ausstellung zur Thematik und eine Gedenktafel soll auf dem ehemaligen Gelände des Lagers über die Geschehnisse informieren.
Neue Herausforderungen für Penig und Lunzenau
Die Bürgerinitiative „Gesicht zeigen“ Netzwerk für demokratisches Handeln ist gegen jede Form der Fremdenfeindlichkeit, sie setzen sich für Gewaltfreiheit und Dialoge ein. Bürger: „Mit manchen Menschen kann man aber leider nicht mehr reden. Die wollen keine Informationen, die wollen hetzen.“ Deshalb wolle man vor allem junge Menschen erreichen, ihnen die Möglichkeit geben, sich eine eigene Meinung zu bilden – auch im Kontrast zu dem, was sie zuhause lernen.“
Noch sei Penig unter einer Art Glocke, Ausländer und Flüchtlinge sehe man selten. Aber man rechnet damit, dass auch in der Umgebung bald Asylunterkünfte entstehen. Dann ist das Thema Flüchtlinge auch ein konkretes Thema für die Bürgerinitiative.
Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Das ist viel für eine kleine Initiative, die von Spenden und seltener von öffentlichen Geldern lebt. Aber vor allem wird Aufmerksam gemacht auf die Arbeit und damit auch auf die Probleme und darum geht es den Mitgliedern der Bürgerinitiative bei ihrer Arbeit vor allem. Probleme sehen, sie ansprechen, darüber sprechen. „Denn Schweigen ist dulden“, so Bürger.
Mai 2015: FP Freie Presse, von Franziska Muth
Oktober 2014: FP Freie Presse, von Babette Philipp












